Sind Todeszonen wirklich tot? Hamburger Schülerinnen finden spärliches Leben in sauerstoffarmen Bereichen der Ostsee

Forschungsexpedition des Gymnasiums Lerchenfeld an Bord der ALDEBARAN zeigt: Selbst in den als „Todeszonen“ bezeichneten Bereichen der Ostsee existieren noch widerstandsfähige Lebensgemeinschaften.

Eckernförde, Juli 2026. Sind die als „Todeszonen“ bekannten sauerstoffarmen Bereiche der Ostsee tatsächlich lebensleer? Mit dieser Frage beschäftigten sich die Schülerinnen Sienna Schaber und Jordis Klüver vom Gymnasium Lerchenfeld (Hamburg) im Rahmen des 23. Meereswettbewerbs „Forschen auf See“ der Deutschen Meeresstiftung. Während einer fünftägigen Forschungsexpedition in der Eckernförder Bucht gingen sie gemeinsam mit ihren Wissenschaftspatinnen Lisa Schüler und Clara Taetz dieser drängenden Umweltfrage nach.

An Bord des Forschungs- und Medienschiffs ALDEBARAN entnahm das Team Sedimentproben aus unterschiedlich sauerstoffreichen Meeresgebieten. Mithilfe eines Bodengreifers wurden insgesamt acht Proben gewonnen, an Bord gesiebt und wissenschaftlich voruntersucht. Untersucht wurden insbesondere Muscheln, Würmer, Krebstiere sowie weitere Bodenorganismen, deren Vorkommen Rückschlüsse auf den ökologischen Zustand des Meeresbodens zulässt.

Die Ergebnisse zeigen ein klares Bild: In sauerstoffarmen Bereichen fanden sich deutlich weniger Organismen als in gut mit Sauerstoff versorgten Zonen. Dennoch konnten selbst in Bereichen, die nach wissenschaftlicher Definition als „Todeszonen“ gelten, noch einzelne Lebewesen nachgewiesen werden. Die Proben werden nun in einem spezialisierten Labor in Rostock weiter untersucht.

„Unsere Ergebnisse zeigen, dass der Begriff Todeszone zwar den dramatischen Zustand dieser Lebensräume beschreibt, dort aber dennoch vereinzelt Leben existieren kann. Gleichzeitig wird deutlich, wie stark Sauerstoffmangel die biologische Vielfalt der Ostsee bereits beeinträchtigt“, fasst das Schülerteam seine ersten Erkenntnisse zusammen.

Für die beiden Schülerinnen war die Expedition weit mehr als ein Schulprojekt. Besonders beeindruckt habe sie das Leben an Bord eines Forschungsschiffes, die enge Zusammenarbeit mit den Wissenschaftlerinnen sowie die Möglichkeit, wissenschaftliche Fragestellungen unter realen Bedingungen auf See selbst zu bearbeiten.

„Unsere Meere entscheiden über Klima, Biodiversität, Ernährung und letztlich über unsere Zukunft. Deshalb ist es so wichtig, junge Menschen frühzeitig für Wissenschaft zu begeistern und ihnen die Möglichkeit zu geben, selbst Antworten auf die großen Umweltfragen unserer Zeit zu suchen“, sagt Frank Schweikert, Vorstand der Deutschen Meeresstiftung.

Mit ihrem Forschungsprojekt leisten die beiden Hamburger Schülerinnen einen Beitrag zum besseren Verständnis der Auswirkungen von Sauerstoffmangel, Überdüngung und Klimawandel auf die Ostsee und zeigen zugleich, wie junge Menschen bereits heute aktiv an der Erforschung und dem Schutz mariner Ökosysteme mitwirken können.

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