Unsichtbares Klimagas unter der Wasseroberfläche: Schülerinnen der Stiftung Louisenlund entdecken nahezu sauerstofffreie Bereiche in der Eckernförder Bucht – Hinweise auf mögliche Methanbildung
Kiel, 22. Juli 2026 – Wie entsteht das hochwirksame Treibhausgas Methan in der Ostsee, und welche Rolle spielt dabei der zunehmende Sauerstoffmangel? Dieser Frage gingen die Schülerinnen Lena Dreeßen und Emilia Schreiber von der Stiftung Louisenlund im Rahmen des bundesweiten Meereswettbewerbs „Forschen auf See“ an Bord des Forschungs- und Medienschiffs ALDEBARAN nach. Während ihrer viertägigen Forschungsexpedition in der Eckernförder Bucht sammelten sie gemeinsam mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern wertvolle Daten über die Wasserqualität und die Bedingungen am Meeresboden.
Im Mittelpunkt des Projekts stand die Untersuchung des bislang wenig beachteten Treibhausgases Methan. Dieses entsteht unter Sauerstoffmangel durch mikrobielle Prozesse und besitzt in den ersten Jahrzehnten nach seiner Freisetzung eine deutlich stärkere Klimawirkung als Kohlendioxid. Gleichzeitig spielt es eine wichtige Rolle im globalen Kohlenstoffkreislauf und rückt zunehmend in den Fokus der Klimaforschung.
An insgesamt zehn Messstationen führten die Schülerinnen jeweils drei Messungen in unterschiedlichen Tiefen durch. Mithilfe einer modernen Multisonde entstanden hochauflösende Profile der gesamten Wassersäule mit zahlreichen Umweltparametern, darunter Sauerstoffgehalt, Temperatur, Salzgehalt und weitere hydrographische Messgrößen. Die vorläufige Auswertung zeigte, dass sich an vier Messstationen nahezu sauerstofffreie Bereiche gebildet hatten. Unter solchen Bedingungen besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass mikrobiologische Prozesse zur Bildung von Methan einsetzen.
Ergänzt wurden die Messungen durch Unterwasseraufnahmen des Meeresbodens. Auf den Kamerabildern sind große Mengen an Schwebstoffen zu erkennen, die sich auf dem Boden ablagern und dort von Mikroorganismen zersetzt werden. Dieser biologische Abbau verbraucht den im Wasser gelösten Sauerstoff. Wird dieser nahezu vollständig aufgezehrt, entstehen Bedingungen, unter denen Methan gebildet werden kann. Die während der Expedition entnommenen Wasserproben werden nun im Labor weiter untersucht, um die gemessenen Sauerstoffverhältnisse mit den tatsächlichen Methankonzentrationen in Beziehung zu setzen.
Begleitet wurde das Projekt von Dr. Mona Norbisrath vom GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel, die die Schülerinnen wissenschaftlich betreute. Unterstützt wurden sie an Bord von den Science Coaches Claire Herzog und Karen Ritter unter der Leitung von Skipper und Expeditionsleiter Frank Schweikert.
Auch die äußeren Bedingungen trugen zum Erfolg der Expedition bei. Ruhiges Wetter ermöglichte an allen geplanten Stationen umfangreiche Messprogramme und hochwertige Unterwasseraufnahmen. Dadurch konnten Datensätze gewonnen werden, die einen detaillierten Einblick in die Schichtung der Wassersäule und die Prozesse am Meeresboden der Eckernförder Bucht ermöglichen.
„Methan gehört zu den bedeutendsten, aber zugleich am wenigsten sichtbaren Klimagasen unserer Erde. Dass Schülerinnen mit modernster Umweltmesstechnik selbst untersuchen können, unter welchen Bedingungen dieses Gas in der Ostsee entstehen könnte, zeigt eindrucksvoll, wie spannend und relevant Meeresforschung für den Klimaschutz ist. Gleichzeitig leisten sie einen wertvollen Beitrag dazu, die verborgenen Prozesse unter der Wasseroberfläche besser zu verstehen“, sagt Frank Schweikert, Vorstand der Deutschen Meeresstiftung und Initiator des Meereswettbewerbs.