Parlamentarischer Meeresabend diskutiert Wege zum "Ocean Act"
Die Europäische Union steht vor der historischen Chance, eine gemeinsame und zukunftsorientierte Vision für unseren größten Lebensraum, den Ozean, zu verwirklichen. Dies war der zentrale Tenor des Parlamentarischen Meeresabends der Deutschen Meeresstiftung im Zeiss-Großplanetarium in Berlin am 9. Dezember.
Der European Ocean Pact ist eine Strategie der Europäischen Kommission, die bislang verstreute Initiativen in den Bereichen Umwelt, Wirtschaft, Sicherheit und Forschung unter einem gemeinsamen Dach bündelt. Doch wie kann Deutschland den Ocean Pact konkret politisch, wissenschaftlich, wirtschaftlich und gesellschaftlich umsetzen? Wie wird aus dem "Ocean Pact" ein "Ocean Act"?
Hochkarätige Rednerinnen und Redner gingen in inspirierenden Keynotes und einer engagierten Diskussionsrunde auf diese Frage ein. Carsten Träger, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesumweltministerium, forderte in seinem Beitrag:
"Mit dem EU-Ozeanpakt wollen wir eine Trendwende einleiten. Die Meere sollen besser geschützt, die nachhaltige blaue Wirtschaft gefördert sowie Wohlstand und Sicherheit der Menschen in den Küstengebieten unterstützt werden. Außerdem werden die Forschung und das Wissen über die Meere gefördert durch den Vorschlag einer ehrgeizigen EU-Meeresbeobachtungsinitiative".
Auch die Europaabgeordnete Jutta Paulus äußerte sich deutlich. Deutschland müsse eine eigene politische Vision für den Ocean Act entwickeln. Es sei außerdem entscheidend, die Umsetzung zu gewährleisten.
"Unsere Meere brauchen Hilfe! Dafür müssen bestehende Regeln endlich durchgesetzt werden, statt über Abschwächung zu schwadronieren. Der Ocean Act muss sicherstellen, dass Fortschritte messbar sind, mit verbindlichen Zwischenzielen und regelmäßiger Kontrolle".
Catherine Chabaud, französische Ministerin für Meer und Fischerei, betonte die Bedeutung des Ozeans für die Menschen in Europa und kündigte die Gründung einer Gruppe der „Freunde des Ozeans“ im Europäischen Rat an, um die Umsetzung des "Ocean Pact" durch den „Ocean Act“ aktiv zu begleiten. Frank Schweikert, Vorstand der Deutschen Meeresstiftung, appellierte an die deutsche Politik, unverzüglich eine nationale „Ocean Act“-Initiative zu starten.
Die Redner*innen verdeutlichten während der Veranstaltung die Vielschichtigkeit des European Ocean Pact und seine Bedeutung für zahlreiche Lebensbereiche. Für Petros Michelidakis, Direktor der boot Düsseldorf, bedeutet nachhaltige Wettbewerbsfähigkeit heute, ökologische Verantwortung als Innovationsmotor zu begreifen. Er fasste zusammen: „Der European Ocean Pact ist mehr als ein politisches Dokument, er ist ein Aufruf, zu handeln. Und – er fordert uns alle auf, Verantwortung zu übernehmen.“
Auch in der anschließenden Podiumsdiskussion wurde deutlich, dass die Umsetzung des Ocean Acts eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe ist. Die Teilnehmenden – Jutta Paulus, Angela Schultz-Zehden (Geschäftsführerin SUBMARINER) und Dr. Ludger Weß (Co-Founder and Managing Partner bei akampion und co-founder von 350PPM Biotech) – waren sich darüber einig, dass Deutschland dabei keine Angst davor haben dürfe, Innovationen voranzubringen und dass es entscheidend ist, eine Vernetzung zwischen den wirtschaftlichen Akteuren untereinander, aber auch mit der Politik, zu fördern.