Großsegelkapitän Gerhardt Lickfett erzählt von den Irrfahrten des Odysseus, von Piraten, Riesenwellen und seinen vielen weiteren Abenteuern auf See sowie seiner Vision für den Schutz der Meere – und erklärt den Schiffsantrieb der Zukunft

Mit einem Gedicht über das Meer und Erzählungen zu Odysseus, Kirke und Kalypso beginnt der zweite Hamburger Meerestalk der Deutschen Meeresstiftung. Kapitän Gerhardt Lickfett heuerte mit 19 Jahren das erste Mal als Matrose an, erst auf „normalen“ Schiffen, dann aber bald auch auf den größten Segelschiffen.

In der Straße von Malakka zwischen Sumatra und Malaysia traf er mehrfach auf Piraten, die ihn auf eine der berüchtigten Sandbänke abdrängen wollten.  Auch in Kolumbien gab es einmal einen Überfall, dort hatten es die Piraten auf die an Bord befindlichen Schreibmaschinen abgesehen, öffneten den Container und warfen die nagelneuen Schreibmaschoinen samt Styroporverpackung ins Meer in der Hoffnung sie anschließend wieder aus dem Wasser zu fischen und zu verkaufen.

Seine kurioseste Ladung bestand aus Damenstrumpfhosen, welche in den 50er-Jahren tonnenweise von Hongkong nach Deutschland importiert wurden, deren Leichtgewicht mit einem Gegengewicht im Unterdeck des Schiffes kompensiert werden musste.

Lickfett berichtet von Naturgewalten wie Seebeben und Stürmen und teilweise 12 bis 14 Meter hohen Wellen. Besonders wichtig ist ihm aber seine Beobachtung zum Tsunami in Südostasien 2004: „Nicht die Einheimischen, sondern vor allem die Touristen wurden Opfer des Tsunami“, so Kapitän Lickfett: „Dies lag meiner Meinung nach vor allem daran, dass die Einheimischen die Vorzeichen der Natur richtig deuten konnten, die gebildeten, westlichen Urlauber dies jedoch oftmals verlernt haben.“

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Betrübt ist Lickfett über das viele Plastik, das heutzutage im Meer, aber auch auf den entlegensten Stränden zu finden sei, zu seiner Zeit jedoch noch kein sichtbares Problem darstellte. Hier müsste sich umgehend etwas ändern.

Zum anderen sollte in Zeiten des Klimawandels und knapper Ressourcen wieder ein verstärktes Auge auf Segelantriebe geworfen werden, und auch die Frachter seien heute teilweise übertrieben groß. „Wir brauchen kein 400 Meter Schiff!“, so Kapitän Lickfett, die Dinge, welche wir damit durch die Ozeane transportieren seien sowieso oftmals überflüssig oder könnten auch regional produziert werden.

„Warum segeln wir heute mit der Technik von vor 100 Jahren?“ wirft hier ein Gast ein, was Gerhardt Lickfett dazu veranlasst, den Ecoliner vorzustellen, ein modernes Segelschiff, was bisher leider nur auf dem Papier existiert. Dieses Schiff hätte heute durch neuste Technik etwa zwei Mal so viele Knoten wie die Passat, Lickfett’s einstiges Segelschiff. Doch bisher sei kein Reeder bereit, den ersten Schritt zu tun und solch ein Schiff zu bauen.

Die nächste Reise des 79-jährigen Großsegelkapitäns wird ausnahmsweise kein Seeabenteuer, sondern ein sportliches: So nimmt Gerhardt Lickfett im Oktober an der Seniorenweltmeisterschaft in Australien teil. Seine Disziplin: Stabhochsprung.