Der mehrtägige Stop in Straßburg, wo wir an einen Anleger direkt vorm Europäischen Parlament festmachen durften, war nicht nur für unser Team an Bord ein Highlight sondern auch ein toller Aufschlag für die Deutsche Meeresstiftung. Am Mittwoch den 28. Oktober besuchten uns mehrere Abgeordnete an Bord. Dabei wurde uns die Meeresbotschaft „Call For Oceans And Climate“ an die Klimakonferenz in Paris (COP#21) von insgesamt 91 Abgeordneten der parlamentarischen Intergroup „Seas, Rivers, Islands and Coastal Areas“ persönlich von der Präsidentin Gesine Meißner und fünf weiteren Mitgliedern der Intergroup überreicht.

Von links nach rechts: Ricardo Serrão Santos, Frank Schweikert, Sofia Ribeiro, Ulrike Rodust, Gesine Meißner, Tonino Picula

Der Aufruf für die Ozeane und das Klima im Wortlaut:

Unsere Meere und Ozeane sind der Ursprung unserer Existenz. Sie sind der Ursprung des Lebens auf Erden und sind von herausragender Bedeutung für unser Überleben. Die heutigen sowie künftigen Herausforderungen können nur dann erfolgreich angepackt werden, wenn wir die maßgebliche Rolle der Meere und Ozeane für unseren Planeten erkennen, von dem sie 71 Prozent der Oberfläche bedecken.
Heute bieten sie gewaltige Chancen für Wachstum und Beschäftigung und tragen zu unserem Wohlergehen bei.
Sowohl als Sauerstoffquelle sowie als CO2-Speicher sind sie ein wesentlicher Bestandteil unseres Klimasystems. Es wird davon ausgegangen, dass Meere und Ozeane ein Viertel des CO2 (1) und 90 Prozent der durch menschlich erzeugte Treibhausgase verursachten Hitze absorbieren. Daher sollten sie im Zentrum der globalen Klimadiskussionen stehen.
Bedauerlicherweise benötigen wir keinen Nachweis mehr darüber, dass diese regulierenden Funktionen zu lange und zu heftig durch menschliche Aktivitäten ausgenutzt wurden und unsere Ozeane heute unter den Einflüssen des Klimawandels leiden. Sie sind Phänomenen, wie der Versauerung der Meere, Erderwärmung und den dramatischen Veränderungen als Folge des Abschmelzens der Polkappen ausgesetzt. Die Verschmutzung und Veränderungen, welche den Zustand unserer Meere und Ozeane beeinflussen, drohen ihre wichtige Rolle als Klimaregulatoren einzuschränken.
Darüber hinaus verursachen diese großen Veränderungen Schäden an der Biodiversität und dem Reichtum der Meeresumwelt, welche für uns so kostbar sind.
Klimaveränderungen stören die Ökosysteme des Meeres und Fischbestände. Dadurch ist der Fischereisektor und mit ihm auch unsere Lebensmittelversorgung bedroht. Dies betrifft genauso auch eine Vielzahl anderer Sektoren, wie beispielsweise den Küsten- und Meerestourismus oder auch entstehende Sektoren, die von der Biodiversität des Meeres abhängig sind, wie zum Beispiel die blaue Biotechnologie oder Algenzucht.
Indem sie den Meeresspiegel steigen lassen, bedrohen diese Klimaveränderungen bereits heute unsere Küsten durch die Erosion von Küstenstreifen und stellen eine akute Gefahr für das Überleben kleiner Inselstaaten dar. Sie vermindern dramatisch unsere Fähigkeit, Stürmen standzuhalten und unsere Küstenbevölkerung zu schützen. Mehr als 600 Millionen Menschen wohnen in Küstenregionen auf weniger als 10 Meter über dem Meeresspiegel und elf der fünfzehn größten Städte der Welt liegen in diesen Küstenzonen.
Um diese Veränderungen zu verlangsamen, müssen wir unseren Produktionsweisen und unsere Art zu konsumieren sowie insbesondere unser Energiemodel überdenken. Wir wissen, dass wir die Nutzung regenerativer Energien massiv steigern müssen. Einmal mehr sind unsere Meere und Ozeane der Schlüssel zur Zukunft, denn durch Strömungen, Wind, Gezeiten und Wellen bieten sie ein unerschöpfliches Potential für saubere und vielfältige Energiequellen.
Wegen der Schäden, die ihnen bereits zugefügt wurden, wegen der regulierenden Rolle, die sie spielen und spielen werden, und der Lösungen, die sie bieten – kurz gesagt: für unserer Zukunft – muss COP21 die Gelegenheit sein, sicherzustellen, dass Meere und Ozeane im Mittelpunkt unserer Anstrengungen im Kampf gegen den Klimawandel stehen.
1 http://www.earth-syst-sci-data-discuss.net/5/1107/2012/essdd-5-1107-2012.pdf