Plastikmüll

Die Weltmeere verdrecken durch Abwässer und Plastikmüll.

Täglichen landen Chemikalien in den Meeren, ebenso wie Fäkalien und andere organische Abfälle, riesige Mengen Textilien und noch größere Mengen Plastik. Jedes davon stellt ein Problem dar, aber der Plastikmüll entwickelt sich gerade zum größten davon, weil er alle Meere betrifft und sich in allen Meeren verteilt. In den letzten rund 70 Jahren hat sich die Menge an Plastikmüll in den Meeren alle zehn Jahre verzehnfacht. Der größte Teil dieses Plastiks ist Wegwerf-Plastik von Tüten über Einwickelfolie zu Flaschen, Bechern und Besteck. Große Plastikteile werden von großen Meeresbewohnern gefressen oder sie verheddern sich darin, wodurch sie sich verletzten oder gar sterben. Außerdem zerfällt das Plastik im Meer durch Wellen, Salzwasser und Sonnenlicht zu immer kleineren Teilen, sogenanntem Mikroplastik, das von Planktonfressern gefressen wird und so in die Nahrungsnetze gelangt, bis es über Speisefische wieder bei uns Menschen landet.

Die Probleme:

  • Wir produzieren zu viel Einmal-Plastik.
  • Fehlende oder ineffiziente Recycling-Programme lassen das Plastik im normalen Müll landen, an Straßenrändern, in Flüssen und letztendlich in den Ozeanen.

Der kurzfristige Nutzen und die Bequemlichkeit, die uns zur Verwendung von Einmal-Plastik verleiten, zeigen in den Weltmeeren ihren wahren Preis. Schätzungen zufolge gelangen jedes Jahr zwischen fünf und 13 Millionen Tonnen Plastik in die Meere, unter anderem weil zu viele Länder, auch in Europa, nicht über ein effizientes Plastikrecycling verfügen und wir alle viel zu viel Plastik verwenden. Bald werden wir weltweit die sagenhafte Menge von 33 Milliarden Tonnen Plastik produziert haben. Es ist ein dringendes Umdenken von Konsumenten, Wirtschaft und Politik erforderlich!

Weltweite Produktion von Plastik

IN MILLIONEN TONNEN PRO JAHR

Quelle: Global Ocean Commission. Sie schätzt, dass sich diese Dekade die Plastikproduktion nochmals verdoppelt.

Plastik zerfällt und gelangt in die Nahrungskette, wo es das Erbgut und die Gesundheit von Fisch und Mensch gefährdet.

Plastik braucht je nach Form und Zusammensetzung Jahrzehnte bis Jahrtausende, bis es verrottet ist. Lang vorher zerfällt es aufgrund von Reibung und chemischen Prozessen zu Mikroplastik, also zu Plastikteilen von weniger als 5 mm Größe. Damit hat es die gleiche Größe wie Plankton und wird als solches gesehen, gefressen und reichert sich im Nahrungsnetz ab. Von Planktonfressern wie Muscheln und Korallen gelangt es direkt oder über verschiedene Stufen in Speisefische, die dann auf unseren Tellern landen. Mitsamt allen Mikroplastikteilchen, die in ihrem Gewebe eingelagert sind. In jedem Tier auf dem Weg durchs Nahrungsnetz geben sie Weichmacher und andere Gifte ab, die das Erbgut, das Immunsystem und den Hormonhaushalt der Tiere und Menschen verändern können. Außerdem wirkt die Oberfläche der kleinen Plastikteilchen wie ein Magnet auf verschiedene organische Giftstoffe an, die so in konzentrierter Form ebenfalls ihren Weg in Fische, Meeressäuger und Menschen finden.
Aber nicht alles Mikroplastik kam als Makroplastik in die Meere. Ganz im Gegenteil! Neuere Forschung zeig, dass bis zu 85% aller synthetischen Mikroteilchen, die im Wasser gefunden werden, von Kleidung stammen. Sie gelangen durch die Waschmaschinen ins Leitungswasser und ins Meer. Andere wurden als Scheuerteilchen in Reinigungsmittel, von Scheuermilch bis Zahnpasta, produziert und gelangten wie die Kleidungsfasern über das Abwassersystem ins Meer.

Gefahr durch Mikroplastik

PLASTIKMÜLL IM MEER ZERFÄLLT SCHNELLER ALS BISHER GEDACHT ZU MIKROPLASTIK UND GELANGT IN DIE NAHRUNGSKETTE VOM FISCH ZUM MENSCHEN

Plastikmüll wird schnell zu Mikroplastik. Quelle: Global Ocean Commission 2014

Eine besondere Bedeutung im Meeresplastik hat auch die Fischerei. Denn dort werden Netze aus Nylon, Bojen aus Kunststoffen und Plastikbojen oder -flöße, um Fische anzulocken (Fish Aggregating Device – FAD), verwendet. In Stürmen gehen Netze verloren und werden zu Geisternetzen, Bojen und FADs reißen sich von ihren Verankerungen los und driften als Makroplastik im Meer. Oder alte, nicht mehr gebrauchte Gegenstände werden einfach ins Meer entsorgt. Allein in der Ostsee gehen jährlich um die 10.000 Netze, Reusen und ähnliches verloren und werden zu Todesfallen für Meeressäuger und Seevögel. Todesfallen für Hunderte von Jahren, da Nylon, Polyester und Polyäthylen nach Angaben des Bundesamtes für Umwelt bis zu 450 Jahre braucht, um völlig zu zerfallen.

 

Quellen:
STAP (2011). Marine Debris as a Global Environmental Problem: Introducing a solutions based framework focused on plastic. A STAP Information Document. Global Environment Facility, Washington, DC.

http://www.zeit.de/news/2015-05/13/wissenschaft-plastik-muell-in-fluessen-und-meeren-nimmt-zu-13164608
Callum Roberts, 2013: Der Mensch und das Meer: Warum der größte Lebensraum der Erde in Gefahr ist.
The Guardian Nov. 2014. Siehe dazu auch die Untersuchungen der Aldebaran zum Thema Plastikmüll in Flüssen.

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