Die Deutsche Meeresstiftung diskutiert Meeresprobleme und deren Kommunikation auf dem Zukunftsfestival des Bundesumweltministeriums

Mit hochkarätigen Experten aus den Bereichen Forschung, Bildung und Medien diskutierte die Deutsche Meeresstiftung über aktuelle Meeresprobleme. Der Vorsitzende der Meeresstiftung Frank Schweikert moderierte den Gedankenaustausch, wie die Kommunikation mit der  Öffentlichkeit effizienter gestaltbar ist.

Dr. Gregory Stone, Executive Vice President von Conservation International leitete die Veranstaltung ein, indem er sein sein persönliches Verhältnis zum Meer beschrieb, das auch für viele Zuhörer berührend war. Im Kern ging es darum: Der Mensch gehe aus dem Meer hervor, und ohne unsere Ozeane würde auf der Erde eine unerträglich hohe Temperatur herrschen. Auf die Probleme unserer Meere angesprochen zählte er nicht nur Themen wie Verschmutzung, Klimawandel, Überfischung, oder den Verlust von Arten auf, sondern gab auch eine persönliche Wertung ab. „Das Problem Überfischung könnten wir, wenn wir wollten, sofort beheben“, so Stone, „mir bereitet eher die mit dem Klimawandel verbundene Übersäuerung der Ozeane schlaflose Nächte“.

Prof. Dr. Uwe Waller, Professor für Aquakultur an der htw saar, betonte die Fähigkeit von Meeresorganismen zur Anpassung an eine sich ändernde Umwelt, beispielsweise durch Migration. Deshalb sehe er invasive Arten in der Meeresumwelt nicht nur als ein Problem, sondern als natürliche Reaktion der Meeresökosysteme.

Dr. Sebastian Ferse, Korallenforscher am zmt Bremen war hier jedoch leicht anderer Meinung. Mit Blick auf Organismen wie die sensiblen Korallen stellte er fest, dass sich die Lebewesen im Ozean zwar an Veränderungen in ihrer Umwelt anpassen können, sich diese Änderungen aber zurzeit so schnell wie nie abspielen, was den betroffenen Organismen eine vergleichbar kurze Zeit zur Anpassung lässt. Die genauen Reaktionen der Meereslebewesen auf globale Änderungen sei deshalb noch nicht abschließend einzuschätzen.

Wissenslücken wie diese sollten die Experten mit Blick auf die aktuelle Forschung anschließend einschätzen. Prof. Dr. Waller als auch Dr. Sebastian Ferse waren sich einig, dass vor allem die Reaktionen ganzer Ökosysteme auf Veränderungen sowie die Wechselwirkungen zwischen vielen Organismen noch näher erforscht werden müssten. Dr. Gregory Stone befand, dass es bei den Effekten von Plastik auf marine Organismen noch Forschungsbedarf gäbe.

Festival der Zukunft mit Frank Schweikert, Gregory Stone, Prof. Dr. Uwe Waller und Christian Ferse

Festival der Zukunft mit Frank Schweikert, Gregory Stone, Prof. Dr. Uwe Waller und Christian Ferse

Der Zweite Teil: Vorstellung der Ergebnisse unserer Online-Befragung zu den Hauptproblemen der Meere und Diskussion mit Experten

Im zweiten Teil unserer Veranstaltung wurden die Ergebnisse einer Online-Befragung vorgestellt, die die Deutsche Meeresstiftung im Juli/August durchgeführt hatte. Kai Pohlmann stellte die sehr ermutigenden Ergebnisse vor, die aufzeigten, dass die Menschen, die sich mit Meeresthemen intensiv beschäftigen auch bereit sind sich für die Meere zu engagieren. Zusätzlich zeigte sich,  dass die engagierte Öffentlichkeit die Probleme fast genauso benennt wie Politiker oder Wissenschaftler das tun. Mehr dazu finden Sie hier.  Auf dieser Basis entwickelte sich eine konstruktive Diskussion der Experten, wie Meeresthemen aktuell an die breite Öffentlichkeit kommuniziert werden sollten.

Dr. Michael Zschiesche, Vorstand des Unabhängigen Instituts für Umweltfragen (UfU e.V.) begann mit einem Gegenbeispiel und erzählte von der eher intransparenten Informationspolitik der vietnamesischen Regierung bei Meeresproblemen wie beispielsweise einem Fischesterben vor der Küste Vietnams. Insofern bleibt Transparenz und das Bewusstsein, auch Dinge beeinflussen zu können eine wichtige Basis.

Tim B. Frank, Filmproduzent und Kameramann für Naturfilme, der an der schnellsten Durchquerung der Nordost-Passage mit einem Segelboot beteiligt war, erzählte davon, dass dieser Weltrekord nur in China und Kanada mediale Aufmerksamkeit erregt hatte, obwohl die während der Exkursion gesammelten Bilder und Fakten betreffend fehlender Eisberge etc. eine alarmierende Geschichte erzählen. Es kommt also auch immer darauf an, die richtigen Protagonisten zu finden für die Botschaften.

Dr. Guido Westhoff, Leiter des Tropenaquariums des Tierpark Hagenbeck in Hamburg griff diese Problematik auf und stellte fest, dass auch die Besucher in seinem Zoo eher an den niedlichen Tieren interessiert seien und sich selten über komplexe, meist negative Fakten und Zusammenhänge im Meeresumweltschutz informieren zu wollen. Insofern müssen auch problematische Themen eher über positive Bilder und Emotionen transportiert werden, da sie sonst gar nicht wahrgenommen werden.

Sebastian  Buschmann von der Environmental Justice Foundation berichtete von der Schwierigkeit, sich selbst in Behörden und Ministerien Gehör zu Problematiken wie illegale Fischerei verschaffen. Es braucht also auch immer eine Verankerung in die Machtzentren hinein, um etwas verändern zu können.

Aus den Erfolgen seiner Bildungsarbeit mit Kindern erzählte Dr. C. Oliver Coleman, Kurator am Naturkundemuseum Berlin. Durch den Aufbau einer persönlichen Bindung zum Thema, z.B. durch das Sammeln eigener Proben, ließe sich vor allem bei Kindern sehr schnell Begeisterung für Meeresthemen und Biodiversität wecken. Bei Erwachsenen sei dies schwieriger, räumte Herr Dr. Coleman ein, jedoch nicht unmöglich, denn – so formulierte es ein Zuschauer – vor allem der Bereich Technik und Innovation im Bereich Meer sei auch für Erwachsene ein Thema, welches großes Interesse wecken könne.

Abschließend hatten sowohl Referenten als auch Zuschauerinnen und Zuschauer die Gelegenheit, Vorschläge und Ideen für eine bessere Kommunikation von Meeresthemen zusammen zu tragen.

Festival der Zukunft

Workshop mit (von rechts) Dr. Michael Zschiesche, Tim B. Frank, Frank Schweikert, Dr. Oliver Coleman , Sebastian Buschmann, Dr. Guido Westhoff,

meeeresstiftung, Stand

Der Stand der Deutschen Meeresstiftung auf dem Festival der Zukunft des Bundesumweltministeriums