Biodiversitätsforscher Dr. C. Oliver Coleman entführt beim Meerestalk „Wir sind selbst eine aussterbende Art!“

Die weltweit nur etwa rund 50 Spezialisten für Krebse befinden sich beim Erfassen neuer Arten nicht nur im Wettlauf gegen die Zeit und das fortschreitende Artensterben im Meer, auch sie selbst sind „eine vom Aussterben bedrohte Art“. Das war nur eines der vielen neuen Erkenntnisse aus dem Meerestalk mit Dr. Charles Oliver Coleman am 6. Dezember 2016 in Nissis Kunstkantine in der Hafencity.

Der Wert seiner Grundlagenforschung könne nur schwer an den sonst üblichen Bewertungskriterien für Wissenschaftler gemessen werden. „Weder werde ich viel in wissenschaftlichen Zeitungen mit hoher Auflage zitiert, noch kann und muss ich für meine Forschung viele Drittmittel akquirieren“, stellte er fest.

Der Kurator am Leibniz-Institut für Evolutions- und Biodiversitätsforschung am Naturkundemuseum Berlin erläuterte dem Publikum, dass beim Erfassen neuer Arten auch neuste Technik an seine Grenzen stößt. Er zeigte den Zuschauern die ausgefallensten Namensfindungen für neu entdeckte Tiergruppen und seine großflächigen Zeichnungen von kleinsten Lebewesen, welche die Ozeane vom Nordpol bis nach Belize bewohnen. Der Artenentdecker, Künstler und Taucher gab zudem einen kurzen Überblick über die Veränderungen, welche er in den letzten Jahrzehnten im Meer beobachtet hat. Vor allem die Überfischung zeigte er anhand von historischen Beispielen und Eindrücken seiner Reise nach Mosambik für alle nachvollziehbar auf. „Früher wurden die Heringe in meiner Heimat Lübeck mit Körben gefangen und bis in das 19. Jahrhundert gab es selbst für Hausangestellte wöchentlich eine nicht kleine Portion Lachs.“, so Coleman. Heute ist Lachs eine Delikatesse und die Fische seien vor allem unmittelbar vor der Küste Südostafrikas so knapp, dass die hungernde Bevölkerung selbst Jungfische fische und sich somit ihrer eigenen Nahrungsgrundlage beraube.

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Dr. C. Oliver Coleman mit einem nach der ALDEBARAN benannten Krebs

Trotz der Einschränkungen der Technik bei der Artenbestimmung hielt die Digitalisierung jedoch in anderer Hinsicht positive Überraschungen für Dr. C. Oliver Coleman bereit: „Dank digitaler Forschungsplattformen wie Research Gate kann ich nun den Wert meiner Grundlagenforschung immer besser nachvollziehen“, so Coleman. Denn hier wird das Spezialwissen des Krebsexperten oftmals nachgefragt – vor allem von Ökologen und Meeresforschern, welche seine Daten nutzen, um darauf ihre Forschung über die Ökosysteme in den Ozeanen und deren Veränderungen aufzubauen.