Auf dem Festival der Zukunft des Deutschen Umweltministeriums präsentierte die Deutsche Meeresstiftung die Ergebnisse unserer Online-Befragung. Dabei wollten wir wissen, wie unterschiedlich die Probleme der Meere gesehen werden in der Zivilgesellschaft, der Wissenschaft und der Politik. Um die Probleme überhaupt benennen zu können griffen wir auf die Vorauswahl der Problemthemen entsprechend der Global Ocean Commission zu. Nicht nur, weil im Rahmen der Global Ocean Commission bereit viele exzellente Köpfe einbezogen wurden, sondern weil wir uns auch genau diesen Themen verpflichtet fühlen und sie als Hauptprobleme angehen. Für die Befragung wählten wir 6 Oberthemen aus. z.B. Überfischung statt Spezialthemen wie Fischwilderei, Fischereisubventionen, Finning etc Nur so konnten wirkliche Hauptprobleme auch gegeneinander abgewägt werden.

Folgende Themen wurden benannt:

  • Verschmutzung (Plastikmüll, Einleitungen, Schiffsunfälle)
  • Überfischung (Fischwilderei, Beifang, Überschreitung Fangquoten)
  • Klimawandel (Versauerung, Erwärmung der Meere)
  • Ausgebeutete Hochsee (Erdölbohrungen, Tiefseebergbau)
  • Artensterben (Lebensraumverlust, eingeschleppte Arten etc.)
  • Mangelnde verlässliche Informationsbasis

Die Frage nach der Informationsbasis wurde mit aufgenommen, da wir wissen wollten, wie sicher sich die Menschen in ihren Ausagen sind und ob vielleicht die Wissenschaft mehr nach Daten verlangt als die Zivilgesellschaft.

Pro Person konnten jeweils 3 Themen als besonders wichtig markiert werden. In der Zeit zwischen Juli und Aug 2016 machten das 280 Teilnehmer. Das waren Menschen, die bereits meeresaffin sind. Wir erreichten sie über unsere eigenen Kanäle wie Facebook, Twitter, Website und unseren Newsletter. Das bedeutet, dass die Aussagen sind nicht repräsentativ für die deutsche Bevölkerung, sondern für diejenigen, die sich bereits intensiver mit Meeresthemen auseinander gesetzt haben.

Hauptprobleme der Meere

Quelle: Deutsche Meeresstiftung Online-Befragung, 270 Antworten. Die wichtigsten Probleme der Meere aus Sicht von Zivilgesellschaft, Politik, Wissenschaft

 

Es zeigte sich, dass das Thema Plastikmüll momentan alle Gruppen am stärksten bewegt. Das Thema Verschmutzung der Meere wurde von 94% aller Befragten als Hauptproblem genannt, gefolgt vom Problem der Überfischung, das von 84% aller Befragten genannt wurde. Selbst der Klimawandel, der ja seit Jahrzehnten die Diskussionen beherrscht wird, wurde weder von den Politikern, noch den Wissenschaftlern, noch der Zivilgesellschaft für vergleichbar wichtig angesehen und kommt erst auf Platz drei der Nennungen mit 48%. Ob das daran liegt, dass die Befragten, eher bei den Themen Verschmutzung und Überfischung Chancen sehen, dass der Mensch auch Dinge ändern kann oder dass sich das Thema Klimawandel in der Diskussion einfach „abgenutzt“ hat vermögen wir nicht zu sagen. Es zeigte sich, dass die erwarteten Unterschiede in den drei Zielgruppen nicht eintraten. Sowohl Politiker als auch Wissenschaftler als auch Zivilgesellschaft nannten die Problemfelder in gleicher Reihenfolge: 1. Verschmutzung, 2. Überfischung, 3. Klimawandel.

Besonders spannend war für uns dann die Frage, ob die Menschen auch bereit sind, ihr eigenes Verhalten zu ändern, um die genannten Problemfelder selbst anzugehen. Wir gaben eine Auswahl möglicher eigener Verhaltensänderungen auf, wovon jede auf einer 5er Skala bewertet werden sollte, ob man sie auf gar keinen Fall, vielleicht oder auf jeden Fall selbst umsetzen wolle.

Hier die vorgeschlagenen Verhaltensänderungen:

  • Verzicht auf Einmal-Plastikprodukte
  • Aktive Reduktion meines persönlichen CO2 Verbrauchs
  • Konsum einschränken
  • Urlaubsreisen einschränken
  • Weniger Fisch essen
  • Höhere Preise für Fisch akzeptieren
  • Höhere Steuern / Abgaben akzeptieren
  • Mich persönlich für den Meeresschutz engagieren

Spannend war, dass 64% aller Nennungen im Bereich „Eher ja“ oder „auf jeden Fall“ angekreuzt wurden, also die meisten Menschen willens und bereit sind, ihr Verhalten zu ändern. Nur wenn es ans Reisen und ans Geld ging, wurde zu 17% bzw 21% genannt „eher nicht“. Doch selbst bei diesen heiklen Themen war die Zustimmung bei weitem größer als die Ablehnung. Das ist ungewöhnlich. Da wir hier eine sehr aufgeklärte Gruppe von Menschen befragt haben, die nicht repräsentativ für Deutschland ist, könnte man versucht sein zu sagen, dass Aufklärung über Meeresprobleme dazu führt, dass eben auch persönliche Einschränkungen akzeptiert und verstanden werden. Insofern ist gerade die Aufklärung ein ganz wichtiges Thema, auch um politische Maßnahmen in der Gesellschaft zu verankern. Hier die Ergebnisse im Detail:

Welche persönlichen Auswirkungen würden Sie für sich akzeptieren, um die Situation der Meere zu verbessern?  Quelle: Deutsche Meeresstiftung Online-Befragung, 270 Antworten. Die wichtigsten Probleme der Meere aus Sicht von Zivilgesellschaft, Politik, Wissenschaft

Welche persönlichen Auswirkungen würden Sie für sich akzeptieren, um die Situation der Meere zu verbessern?
Quelle: Deutsche Meeresstiftung Online-Befragung, 270 Antworten. Die wichtigsten Probleme der Meere aus Sicht von Zivilgesellschaft, Politik, Wissenschaft

 

Uns freute natürlich besonders das Ergebnis, dass über 50% der Befragten bereit zeigten, sich für den Schutz der Meere persönlich zu engagieren.