Ausgebeutete Hochsee

Viele Schätze lagern im und unter dem Meer: Öl, Gas, Mineralien

Wie wertvoll Öl und Gas in einer Wirtschaft sind, die auf fossilen Brennstoffen aufgebaut wurde, wissen wir alle. Wir wissen aber auch alle, dass man manche Schätze lieber nicht hebt, weil sie Unglück bringen – Öl und Gas, die tief unter der Meeresoberfläche lagern, gehören dazu! Denn die Förderung dieser Brennstoffe aus Quellen, die nur durch mehrere Tausend Meter Meerwasser erreicht werden können, wird immer schwieriger und gefährlicher. Außerdem liegen einige der Vorräte in der Arktis, was die Lösungszeit im Falle technischer Probleme nicht unbedingt verkürzt. Außer fossilen Brennstoffen lagern auch wertvolle Mineralien am Meeresgrund, in Form von Manganknollen oder mineralreichen Krusten. Von wirtschaftlichem Interesse sind diese Tiefseeablagerungen vor allem wegen der seltenen Erden, die darin enthalten sind und die für den Bau von Smartphones benötigt werden. Aber auch der Abbau von Kupfer und Gold ist geplant.

Die Probleme:

  • Seismische Erkundung des Meeresbodens nach Öl- und Gasvorkommen schädigt und tötet Fische und Meeressäuger.
  • Bohrungen in der Tiefsee sind ein unkalkulierbares Risiko, da potentielle Unfallstelle nur schwer erreichbar ist, umso mehr, wenn sie in der Arktis liegen.
  • Bergbau in der Tiefsee zerstört einzigartige Lebensräume rund um die Raucher und gefährdet marine Ökosysteme und Küsten.
  • Die Auswirkungen bei (Zer)Störung der empfindlichen Lebensräume Tiefsee und Arktis auf das Gesamtökosystem Meer können wir bis heute nicht absehen.

Öl- und Gasbohrungen stoßen in immer größere Tiefen vor.

DIE TECHNOLOGIEN DAFÜR SIND ERST SEIT DEN SPÄTEN 70ER JAHREN IM EINSATZ.

MIT ZUNEHMENDER TIEFE STEIGEN DIE RISIKEN BEIM ABBAU VON ÖL- UND GASVORKOMMEN.

Die Gründe für die hohen Risiken der Tiefseebohrungen sind der Wasserdruck in der Tiefe – zehn Meter Wassersäule wiegen so viel wie die gesamte Luftsäule der Atmosphäre, weshalb der Druck in 1.000 m Tiefe hundertmal so hoch ist wie an der Oberfläche – und die Unerreichbarkeit des Bohrlochs bei Schwierigkeiten. Ganz davon abgesehen, dass geschätzte 30 % der unerschlossenen Gasvorkommen und 13 % der unerschlossenen Ölvorkommen in der Arktis vermutet werden, wo zu den „normalen“ Problemen noch die Kälte, das Eis und die extremen Witterungsverhältnisse dazu kommen. Bei Unfällen könnte es unter Umständen Wochen oder Monate dauern, bis eine Lösung implementiert werden kann. Wochen oder Monate, die noch zur „normalen“ Lösungszeit dazu kämen, die bei der Explosion der Deepwater Horizion im leicht zugänglichen Golf von Mexiko schon 87 Tage dauerte und zum Austritt von 5 Mio Barrel Rohöl führte.

Die Arktis ist das fragilste Zielgebiet vieler Rohstoffförderer.

DORT WERDEN 13% DER ÖLRESERVEN UND 63% DER GASRESERVEN VERMUTET.

Ein weiteres unkalkulierbares Risiko ist die Sensibilität des arktischen Ökosystems ebenso wie der Tiefsee. In der Kälte ist alles Leben langsamer, weshalb auch Schadstoffe noch langsamer abgebaut werden und sich geschädigte Ökosysteme noch langsamer erholen als in wärmeren Regionen. Ein gutes Beispiel ist der Prinz-William-Sund in Alaska, der noch heute unter den Folgen der verhältnismäßig kleinen Menge Öl leidet, die durch die Havarie der Exxon-Valdez vor mehr als einem Vierteljahrhundert dort ausgelaufen ist.

Der Abbau von Mineralien am Tiefseeboden birgt andere Risiken. Die am leichtesten zu findenden mineralische Krusten und Knollen befinden sich im Bereich aktiver, unterseeischer Vulkane (Raucher), die der Lebensraum einmaliger und größtenteils unerforschter Organismen bilden. Diese Lebensräume sind selten und klein, der Tiefseebergbau in einem solchen Gebiet würde sie zweifelsohne zerstören. Der Bergbau könnten sich aber auch auf nicht mehr aktive Ablagerungen konzentrieren, wo es deutlich weniger Leben gibt, das zerstört würde. Aber diese Regionen sind schwieriger zu finden, was den Abbau teurer macht. Und auch hier birgt der Tiefseebergbau Risiken, beispielsweise durch durch aufgewirbeltes, teils toxisches Sediment, das bodennahe Ökosystem belastet, durch das Rückpumpen oder -werfen unbrauchbaren Materials ins Meer, das die oberflächlichen Wasserschichten verdunkelt, sich auf das Planktonwachstum auswirkt und küstennahe Ökosysteme stören oder zerstören kann.

Tiefseebergbau ist mit hohen Investitionen und großem technischen Aufwand verbunden.

Bild (c) Nautilus Minerals

Nautilus Minerals ist wohl das erste Unternehmen, das Gold und Kupfer unter Wasser fördern wird in  Solwara 1
Copyright: Nautilus Minerals

Die meisten heute bekannten mineralischen Krusten und Manganknollen befinden sich im Pazifik. Hier hat auch das rohstoffarme Deutschland eine Forschungslizenz um zwei 75.000 Quadratkilometer große Gebiete 15 Jahre lang zu erkunden. Dazu hat sich eine Deep Sea Mining Allianz (http://www.deepsea-mining-alliance.com) gebildet, mit dem Ziel einen umweltfreundlichen Tiefseebergbau aus Deutschland zu entwickeln. Das bedeutet die Entwicklung hoher Standards, die einem zerstörerischen Raubbau vorbeugen sollen. Zur Zeit sind kanadische Unternehmen Vorreiter im Tiefseebergbau. Ihr speziell entwickeltes 220 m langes Schiff soll ab 2017 bis zu 180 Menschen beherbergen und zwischen zwei zu Papua Neuguinea gehörenden Inseln Gold und Kupfer aus rund 1.600 m Tiefe abbauen.

 

Quellen:

J. Halfar, R. M. Fujita, Science, New Series, Vol. 316, No. 5827 (May 18, 2007), p. 987: Danger of Deep-Sea Mining

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