Heute waren wir bei der regionalen Dialogkonferenz zur Nachhaltigkeitsstrategie Deutschlands in Hamburg: Globale Nachhaltigkeitsziele – nationale Verantwortung“. Es ist die dritte von drei nationalen Konferenzen mit insges. 1000 Teilnehmern. Viel Polit-Vertreter und NGOs sind vor Ort. Wir nehmen natürlich am Workshop zum Thema Green Shipping teil.

im Rahmen der sehr gut gemachten und charmant moderierten Podien sowie Impulsvorträgen wies z.B. Rita Schwarzelühr-Sutter, Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit auf das „Schwarze Loch“ zwischen Wissen und Handeln hin. Denn viele Dinge sind bekannt, aber noch nicht bei den Menschen im eigenen Verhalten angekommen. Auch sie will keine Verzichtsdebatte führen, aber verändern müssen wir uns alle und der Weg vom Wissen zum konkreten Handeln. Und das ist häufig ein weiter Weg.

Schleswig Holstein will die SDGs zur Basis aller Arbeit in den Ministerien machen. Das wird nächste Woche im Kabinett beschlossen. Diese klasse Entwicklung stellte Dr. Silke Schneider, Staatssekretärin im Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft und Umwelt und ländliche Räume aus Schleswig-Holstein vor. Im Gegensatz dazu musste Senator Kerstan eingestehen, dass Hamburg noch gar keine integrierte Nachhaltigkeitsstrategie hat.

das erste Podium der Regionalen Dialogkonferenz in Hamburg mit Jens Kerstan, Senator für Umwelt und Energie der Freien und Hansestadt Hamburg, Staatsrat Ronny Meyer, Umweltamt der Freien Hansestadt Bremen, Dr. Silke Schneider, Staatssekretärin beim Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume in Schleswig-Holstein, Dr. Christian Jacobs, Leiter des Referats Klimaschutz, Klimawandel, Nachhaltigkeit im Niedersächsischen Ministerium für Umwelt, Energie und Klimaschutz

das erste Podium der Regionalen Dialogkonferenz in Hamburg mit Jens Kerstan, Senator für Umwelt und Energie der Freien und Hansestadt Hamburg, Staatsrat Ronny Meyer, Umweltamt der Freien Hansestadt Bremen, Dr. Silke Schneider, Staatssekretärin beim Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume in Schleswig-Holstein, Dr. Christian Jacobs, Leiter des Referats Klimaschutz, Klimawandel, Nachhaltigkeit im Niedersächsischen Ministerium für Umwelt, Energie und Klimaschutz

Das zweite Podium der Regionale Dialogkonferenz in Hamburg mit Rita Schwarzelühr-Sutter, Jens Kerstan, Dr. Andreas Lenz, Mitglied des Bundestages, Obmann der Unionsfraktionen im Parlamentarischen Beirat für nachhaltige Entwicklung, Dr. Johannes Merck, Vorstand des Direktionsbereichs Corporate Responsibility der Otto Group, Klaus Milke, Vorstand Germanwatch und Professorin Dr. Ute Stoltenberg, Professur für Nachhaltigkeitswissenschaft und Bildung für nachhaltige Entwicklung an der Leuphana Universität Lüneburg sowie Professor em. Dr. Michael Succow, Landschaftsökologe, Begründer des Naturparkprogramms Ostdeutschland, Träger u.a. des Alternativen Nobelpreises der Right Livelihood Award Foundation sowie des DBU Ehrenpreises für sein Lebenswerk

Das zweite Podium der Regionale Dialogkonferenz in Hamburg mit Rita Schwarzelühr-Sutter, Dr. Andreas Lenz, Mitglied des Bundestages, Obmann der Unionsfraktionen im Parlamentarischen Beirat für nachhaltige Entwicklung, Dr. Johannes Merck, Vorstand des Direktionsbereichs Corporate Responsibility der Otto Group, Klaus Milke, Vorstand Germanwatch und Professorin Dr. Ute Stoltenberg, Professur für Nachhaltigkeitswissenschaft und Bildung für nachhaltige Entwicklung an der Leuphana Universität Lüneburg sowie Professor em. Dr. Michael Succow, Landschaftsökologe, Begründer des Naturparkprogramms Ostdeutschland, Träger u.a. des Alternativen Nobelpreises der Right Livelihood Award Foundation sowie des DBU Ehrenpreises für sein Lebenswerk

Der Rat für nachhaltige Entwicklung, vertreten durch Prof. Dr. Alexander Bassen, Prof. für Betriebswirtschaftslehre an der Uni Hamburg, stellte die Forderungen des Rates an die Bundesregierung vor.
1. Hohes Anspruchsniveau an die Umsetzung der SDGs und eben auch überprüfbar.
2. Verstärkte vertikale Integration: Wir haben eine Verantwortung in die Welt hinein
3. Es muss finanziell adäquat ausgestattet sein inkl. Einbeziehung der Zivilgesellschaft

In DE werden bisher knapp 2% der investierten Geldern nach nachhaltigen Kriterien angelegt. Nachhaltige Kapitalanlagen zeigen zwar weltweit ein starkes Wachstum. Das Volumen von Publikumsfonds im deutschsprachigen Raum liegt aktuell bei 45,5 Mrd. EUR (Quelle Sustainable Business Institute). Vergleicht man das mit der Entwicklung des von der deutschen Investmentbranche verwalteten Vermögens von 2,4 Billionen Euro (Quelle Dt. Bundesbank 2015), dann macht das aber gerade mal knapp 2% aus. Jeder sollte sich fragen, wie denn seine eigene Anlage-Strategie aussieht.

Dr. Johannes Merck Vorstand Corporate Responsibility OTTO Group wies auf ein Dilemma hin: Unser Wirtschaftssystem belohnt das Thema Nachhaltigkeit gar nicht. Erfolgreich wird man eher durch Preis- und Wettbewerbsaggressivität. Nur in kleinen Nischen wird Nachhaltigkeit honoriert und gewürdigt. Da passen einige Dinge noch nicht zusammen. 

Fast alle Redner wiesen immer wieder darauf hin, wie wichtig der Dialog mit allen Gruppen ist und wie komplex die Abstimmungen der unterschiedlichen Interessen sind. Doch wird es nicht klappen, wenn wir diesen Weg weiter gehen. Wir haben einfach nicht weitere 10 Jahre Zeit, über Dinge zu diskutieren. Die Fakten aus Klimawandel, Verschmutzung etc. entwickeln sich viel zu dynamisch, um dieses Vorgehen weiterhin zu ermöglichen. Wie wir aus diesem Dilemma heraus kommen, konnte leider kein Redner aufzeigen.

Aus dem Workshop zu Green Shipping:

Workshop mit Dr. Monika Griefahn, Direktorin für Umwelt und Gesellschaft bei Aida Cruises; und Nils Haupt, Leiter Kommunikation Hapag Lloyd

Workshop mit Dr. Monika Griefahn, Direktorin für Umwelt und Gesellschaft bei Aida Cruises; und Nils Haupt, Leiter Kommunikation Hapag Lloyd

In diesem Workshop trafen sich viele Experten und engagierte Organisationen mit Dr. Monika Griefahn, Direktorin für Umwelt und Gesellschaft bei Aida Cruises und Nils Haupt, Leiter Kommunikation Hapag Lloyd Green Shipping. Frau Griefahn stellte vor, dass Aida konkret daran arbeitet, auf Flüssiggas umzustellen. Zur Zeit wird dran gearbeitet, die Schiffe mit LNG (engl. liquified natural gas) in den Häfen zu versorgen. Ab 2020 sollen die Schiffe dann auch mit LNG fahren. Das ist sehr teuer und die Umrüstung der Schiffe ist ebenfalls sehr teuer, aber es ist das wichtigste Kriterium bei der Betrachtung von Nachhaltigkeit im Kreuzfahrt-Tourismus. Es gilt jedoch immer noch, dass Schifffahrt die effizienteste Transportform ist, die es weltweit gibt. Deshalb laufen ja auch über 90% des Welthandels über die Weltmeere. 

 

Der Transport auf dem Seeweg ist zu günstig

Gerade für den Containertransport sind sich viele Experten darin einig: Der Transport ist zu billig, um nachhaltige und regionale Entwicklungen zu unterstützen. Wenn ein Container um die 300 Dollar kostet für eine Transatlantik-Route, dann ist das zu wenig. Ein T-Shirt kann für 1-2 Ct. von Singapur nach HH transportiert werden. 25.000 Container pro Schiff sind demnächst möglich. Preiskampf ist immer stärker. Und dieser Preiskampf wird stark über Immer mehr Effizienz und größere Schiffe ausgetragen. je größer ein Schiff desto geringer der CO2 Ausstoß pro Container. Auch hier zeigt sich, dass Nachhaltigkeit und wirtschaftlicher Erfolg nur in geringer Weise zusammenpassen. Übrigens machen viele große Reedereien wie Hapag Lloyd oder MSC gute Geschäfte und Gewinne trotz der um 80% gefallenen Frachtraten. Es stellt sich die Frage, auf wessen Kosten diese Wertvernichtung gemacht wurde, wenn es nicht zu Lasten der Gewinne geht? Sozialstandards? Ausflaggungen? 

Um die Küstenregionen vor Feinstaub und Schadstoffen zu entlasten sind Schiffe mittlerweile verpflichtet, schadstoffarme Treibstoffe  zu verwenden, wenn sie den Küsten und Häfen näher kommen. Da das aber sehr teuer ist fahren sie lieber etwas weiter weg an der Afrikanischen Küste einen Umweg und verfeuern Schweröl. Das ist auch nicht gerade produktiv. 

Die meisten Fortschritte in der Nachhaltigkeit wurden in der Schifffahrt dadurch erzielt, dass neuer Schiffe zum Einsatz kommen, die mehr transportieren können und sparsamere Motoren einsetzen. Angeblich sei dieser Erfolg auch nicht einfach dadurch kompensiert worden, dass jetzt immer mehr Waren über die Weltmeere geschickt werden. Auch das Recycling der Schiffe wird mittlerweile relativ nachhaltig vollzogen. Es ist nicht mehr so, dass unter menschenverachtenden Bedingungen in Vietnam die Schiffe einfach auseinander geschweist werden und der Rest im Meer versinkt. Das kostet aber Geld. Geld das sich Reedereien wie Hapag Lloyd leisten. Das gilt aber nicht für jeden kleinen Reeder, der dann lieber die 3 Millionen Euro Differenz zur ökologischen Abwrackung in die eigenen Taschen fließen lässt.

Im Vergleich zu den anderen Tourismusbereichen ist der Kreuzfahrt-Tourismus ein eher kleines Segment. Weltweit gibt es gerade mal 350 Kreuzfahrtschiffe. Ihr Verbrauch an Schweröl liegt unter 3 Liter pro Person und KM. Das ist vielleicht vergleichbar mit dem Verbrauch eines Flugzeug, aber das Flugzeug versorgt und transportiert nicht gleichzeitig noch das Hotel und das Schwimmbad und das Kino mit. Diese Energieschlucker werden bei den Kreuzfahrtschiffen aber mit einberechnet.  Auch beim CO2 Ausstoß liegen Schiffahrt und Flugzeuge ungefähr gleich auf mit je 2,5% des weltweiten CO2 Ausstoßes. Dabei sind moderne Schiffskraftwerke häufig effizienter als Landstrom, der bestenfalls mit 40% Wirkeffizienz produziert wird und teurer ist. Ein Grund, warum auch die mobilen Blockheizkraftwerke, wie sie auch in Hamburg auf Barken eingesetzt werden, nicht sehr stark nachgefragt werden. Die Kapitäne wollen einfach das zusätzliche Geld nicht ausgeben.

Aber was wollen die Gäste der Kreuzfahrtschiffe? Die wollen natürlich kein schlechtes Gewissen haben. Aber Kaufpreis und Nachhaltigkeit sind zwei vollkommen unterschiedliche Dinge. Der Preis entsteht im Wettbewerb, und da sind Argumente wie nachhaltige Technologien kein wesentliches Argument. Ein Zeichen ist vielleicht auch, dass nur ca. 1% der Gäste für ihre Anfahrt einen CO2 Ausgleich durch Atmosfair buchen. Das ist bei Aida und bei Luftfahrtsgesellschaften kein Unterschied.

Auch Dinge wie ein CSR-Report ist weder für Konsumenten noch für Investoren aktuell von großer Bedeutung. Unternehmen, die mehr als 500 Mitarbeiter haben, müssen aktuell einen CSR-Report abgeben. Für Hapag Lloyd hat der CSR-Report keinen Einfluss auf das Verhalten der Investoren gehabt. Aber die Unternehmen, die auf dem Nachhaltigkeitsindex weit oben sind haben bisher den DAX immer geschlagen. Das macht ein wenig Mut.

Trotz der bereits guten Ansätze: Es ist immer noch sehr viel zu tun, um die Schifffahrt schadstoffärmer zu machen. Hierzu sind wohl international bindende Vorgaben am sinnvollsten. Aber auch die Kontrolle der bereits jetzt bestehenden Regeln würde wohl noch einiges an Wirksamkeit bringen. Die bestehenden Verschärfungen der Emissionsregeln werden in Deutschland offensichtlich bereits eingehalten, wie das BSH bestätigt.

Generell muss auch die Schifffahrt weg vom Verbrennen des krebserzeugenden und russreichen Schweröls.